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Aphorismen und ähnlich Merkwürdiges von KarlHeinz Karius Poetisch problematisch Mousse à la carte
Der Gourmet des Lebens erwählt weise
OptimisMus pur zur Lieblingsspeise.
Dem Kostverächter stinkt dagegen
der PessiMist auf allen Wegen.
Was hält der Realist davon?
Er schnäuzt sich und genießt synchron. Kartell-Problem
Quakt ein Frosch online legal
oder ist ihm dies total egal?
Lädt er sich Sound vom Internet
und tönt nur deshalb so adrett?
Ist dies gar Missbrauch der Patente,
die im Besitz 'ner Ami-Ente?
Wo King Kong sonst nicht grundlos wütet,
da lebt dieselbe wohl behütet.
Ihr Luxus-Penthouse teilt sie mit
'nem Enterich, Madonna und Brad Pitt.
Den Butler und das Futter stellt
Bill Gates, der Online-Superheld.
Schnell macht sich der Gedanke breit,
dem geht's für jedes Quak ums Copyright.
Ganz klar, bei solchem Monopol
ist es zu Recht dem Frosch nicht wohl.
Es könnt ja sein, Gates sagt:
"Ich lösche mit Version 2 Punkt 1
das Gratis-Quak der Frösche
und wer in Zukunft quaken will,
der löhnt bei mir, sonst ist er still.“
Wird unser Frosch - Bill, drive to hell! -
zum Opfer vom US-Kartell?
Es bleibt die Frage, die bewegende,
ist dies (auch wenn sich´s unschön reimt) Legende?
Die Wahrheit kennt nur, wie so oft,
der Hausjurist von Microsoft. Vertikal-Konzept
Ein Grüner denkt:
"Aus Öko-Sicht lohnt sich waagrecht mein Begräbnis nicht"
und so – obwohl dies vom Komfort her karg –
entschließt er sich zum Senkrecht-Sarg. Herr X erkennt.
In Konkurrenz mit andren Deppchen
steht Herr X meist auf dem Treppchen.
Drum teilt den Medien flugs er mit,
er sei für Größeres jetzt fit,
er wolle dementsprechend handeln
und erstmals auf dem Wasser wandeln.
Wie immer, wenn der Eintritt frei,
eilt Publikum erfreut herbei.
Doch schon nach kurzem Vorwärtslaufen
beginnt Herr X stark abzusaufen.
Ein Dank sei hier der Wasserwacht,
die sicher ihn ans Land gebracht.
Zum Unterschied von Durchschnitts-Doofen
mutiert er dort zum Philosophen.
Er pflegt zwar weiter abzuheben,
doch erdnah nur dahin zu schweben,
Maximaldistanz fünf Zentimeter.
Nach kurzem Training schon versteht er:
schmerzhaft auf die Schnauze fallen,
das kann nicht wirklich ihm gefallen.
Beim ersten Mal denkt er "nanu!"
doch mit der Zeit lernt er dazu:
Wer Höhenflüge reduziert,
den Landeaufprall minimiert.
Und schweift sein Blick mal kurz zum Meer,
dann hilft ihm die Erinnerung sehr:
Mit Beulen leben macht mehr Spaß
als göttergleich, doch tot und nass.
Dies als Erkenntnis ist doch auch schon was. Lob der Kapuze
Bleibt auch im Overall mit Latz
für deinen Körper wenig Platz
und musst du selbst bei offnem Kragen
dies stets am Oberhemd beklagen?
Überwiegt bei Hosenröcken
nur lang andauerndes Erschröcken?
Ist alles, was dich aufrecht hält,
die Hoffnung auf Karl Lagerfeld?
Dann empfiehlt sich, präventiv zu nutzen
als Blickschutz frontal tief gezogene Kapuzen. Käfer-Blues
Beim Käfer, der kompakt gebaut,
und sehr parterre nach oben schaut,
sieht er 'nen Apfel auf dem Baum,
entwickelt sich ein Lebenstraum:
Statt hier unten rum zu sabbern,
einmal nur am Boskop knabbern!
Damit es flugs nach oben geh,
wünscht er sich drum von einer Fee:
"Ich bin klein und wär gern groß!"
"Auf die Plätze, fertig, los ..."
Wunschgemäß im Fall des Falls
wirkt Magie hier auch am Hals,
der, wie Käferchen entdeckt,
sich extrem zum Himmel streckt.
Doch es gibt Wünsche, die bereut man bitter.
Dies zeigt zum Beispiel ein Gewitter.
Denn droht Unheil, sieht man auch bei Tieren,
sich manches flugs relativieren:
Man fühlt sich sicherer im Mist,
in dem man sonst zu Hause ist.
Dort bleibt dem kleinsten Käfer noch
die schnelle Flucht ins Mauseloch --
andernfalls stehst du dagegen
als Giraffe oft im Regen.
Und so bleibt als Resümee:
Traue ja nicht jeder Fee!
Wenn Äste hoch und Beine kurz:
Hurz! Quo vadis
Wer in sich gehen will, hat es nicht leicht.
Vorausgesetzt, dass er sein Ziel erreicht,
stellt sich, was man oft vergisst,
die Frage, ob er dort willkommen ist. Herr X träumt.
Schon immer träumt Herr X davon,
er wäre mal Herr Ypsilon.
Doch wie so oft in anderen Leben
geht für Herrn X ganz viel daneben.
Statt in Las Vegas Girls zu necken,
pflegt er als Hobby Gartenhecken.
Ihm reicht kein Butler den Chandon
wie´s Brauch im Hause Ypsilon.
Drum bleibt ihm bestenfalls zum Trost
die Gattin und 'ne Wurst vom Rost.
Es leidet still der Mensch am Grill,
der nicht ans andere Ufer kann, doch will.
Könnt er in fremde Seelen sehen,
würd solcher Frust nicht erst entstehen ...
Herr Ypsilon zum Beispiel neidet
Herrn X, woran dieser leidet.
So wünscht er sich als Lebenswürze
statt Smoking eine grüne Schürze.
Er weiß, nur Menschen mit 'nem Knall
gehen freiwillig zum Opernball,
bestehen zum Dessert auf Stilton,
und – schlimmer noch – auf Paris Hilton.
Sein Wunschtraum: simplify your life –
mit Gartenarbeit, Bier vom Fass und wife!
Und was sind St. Moritz oder Genf
letztendlich gegen eine Wurst mit Senf ?
Nun denn, was lernt der Mensch davon,
vom Schicksal X und Ypsilon:
Hör auf nach anderen zu schielen,
versuch dein eigenes Spiel zu spielen!
Statt dass er andere beneidet,
ist besser dran, wer sich bescheidet:
Im Leben und der Schachpartie
begnüg dich weise mit Remis! Herr Ypsilon bleibt bürgerlich.
Es liest der Mensch in Magazinen,
die unsere Sehnsüchte bedienen,
was alles treibt der hohe Adel
- noblesse oblige! - im Royal Stadl.
In einer Welt voll Kunz und Hinz
Zur teatime lädt von Wales der Prinz.
Der Butler bringt das Candelight,
Camilla macht auf Pferd sich breit.
Herr Ypsilon liebt dies Gefasel.
Er blickt gebannt nach Windsor Castle.
Sieht er, was läuft in noblen Betten,
erfasst ihn Neid auf Lord Mountbatten.
Statt bürgerlich nur Ypsilon
hieß er davor viel lieber "von".
Doch hat das Schicksal was dagegen:
"von Ypsilon"? Von wegen. Lebenshilfe, fußwarm
Statt kalte Füße sich zu holen,
sei aus Erfahrung stets empfohlen:
zieht dir was die Schuhe aus,
dann zieh synchron die Lehre draus.
Hinter beide Ohren schreiben:
barfuß auf dem Teppich bleiben! Sichere Programm-Vorschau
Ist das Frühjahr kühl und nass,
droht auf TV "Verstehen Sie Spaß?".
Prangt stolz am Halm die güldne Ähre,
sucht Jauch verzweifelt Millionäre. Ein deutsches Schicksal
Haut der Bauer seinen Knecht,
findet´s dessen Frau nicht schlecht.
Haut der Knecht dann auch den Bauern,
wird´s kein Nachbar tief bedauern. Wahrheitssuche im Stadion
Beckham schlägt Bananenflanken,
Goethe darf man anderes danken.
Dies gilt wohl auch für Schoppenhauer
im Tackling gegen Beckenbauer
Auch wäre Rilke contra Uwe Seeler
im Verbal-Vergleich doch wohl ein Fehler.
Im Strafraum heisst es Zahn um Zahn
vor allem gegen Olli Kahn
drum, gehts danach in die Kabinen,
was da gesagt, verzeiht es ihnen!
"Aus der ersten Erektion heraus"
fällt manches Interview verwirrend aus.
Spricht der geniale Spielgestalter,
denkt oft der Sportsfreund:" Mein Gott, Walter!"
Es zeigt sich, nur auf s e i n e m Feld
zeigt sich ein Held komplett als Held
und jäh erlischt der Größenwahn,
setzt Hölderlin zum Kopfball an.
Wessen Lyrik ein Genuss,
schwächelt oft beim Volleyschuss,
doch ein Versager bei Sonetten
kann manchmal auf der Linie retten.
Mir missfällt die Intellektuellen-Hatz,
liegt doch die Wahrheit auf dem Platz
So bleibt´s im O-Ton bei dem Schluss:
"Haste Scheisse am Fuss, haste Scheisse am Fuss"
Wenn´s auch den Studienrat ergrimmt:
es stimmt! Eigentlich eine Schweinerei
Auch des Bauern klügstes Schwein
wird übermorgen Blutwurst sein,
sein allerdümmster Hund indessen
weiter fröhlich Chappi fressen.
Wer noch so schlau sein Schwänzchen kringelt,
ist von Problemen oft umzingelt,
dagegen macht manch doofer Mops
im Altersheim noch kräftig hops.
Dies führt nicht zwingend zu dem Schluss,
dass klug besonders klug sein muss.
So lautet oftmals der Befund:
Man lebt nicht schlecht als dummer Hund.
Selbst wenn ein Plus an Intellekt
verdient in jedem Fall Respekt:
Trost spendet der Vergleich. Der lehrt uns, dass
auf Sicht macht Dummheit viel mehr Spaß. Lob des Mittelstands
„Soll ich mich auf kleinen Booten tapfer allen Wellen stellen –
oder lieber doch auf monstergroßen, superdicken, extraschnellen?“
Wenn Leichtmatrosen solches fragen,
kann man die Vermutung wagen:
„Ahoi, klar Schiff!“, sagt dann Herr X,
frank und frei, da kennt er nix:
„Du träumst von einer Weltkarriere?
Du siehst Dich schon als Herr der sieben Meere?
Zwar glückt der Griff nach goldnen Eiern
oft nur im Sold von Global Playern,
doch dabei bleibt die Frage offen,
solltest, Du mein Sohn, dies hoffen?
Es wird kein Kenner je verhehlen:
dies ist nicht jedem zu empfehlen.
Eisig weht der Wind an Gipfeln
keine Ruhe unter Wipfeln.
So mancher träumt, drauf kann man wetten,
auf Spesen weltweit rum zu jetten.
Doch Schwein bleibt Schwein – auch Harvard-fein.
Da kannst Du völlig sicher sein.
Geht’s darum, optimiert zu schikanieren,
lernt man in Harvard delegieren,
und dafür gibt es Henker-Scharen
getrimmt in Teamwork-Seminaren.
Wohin das Auge tränend schaut
wird in gesourct, doch meistens out.
Drum möcht ich dank Erfahrungsdaten
doch zu gewisser Vorsicht raten.
Häufig hält der Alltag nicht,
was der Kulissen-Glanz verspricht.
Wer Ähnliches schon mal empfand,
der lobt sich doch den Mittelstand:
Schleicht Dir der Frust dort ins Gedärme,
verspürst Du eine Spur von Wärme:
Dies garantiert der Job-Betreff
„In unserer Firma ohrfeigt noch direkt der Chef.“ Unterschätztes Toleranz-Problem
"Sprich deutlicher! Wie oft muss ich das noch sagen..."
hört man den Oberförster klagen.
"Mehr Toleranz erbitt ich mir!!!"
erzürnt sich drauf das Murmeltier Probleme der Prognostik
Der dicken Bäurin Schwangerschaft erstaunt sie,
neun Monate schob sie es auf Mars und Bounty. Neues aus der Agrarwirtschaft
Ziege, einsam auf der Wiese,
und schon stellt sich Frage diese
für den Tiefenpsychologen:
was hat sie denn dazu bewogen?
Um die Couch nicht zu bekleckern,
lässt er sie im Freien meckern,
Siegmund Freud, o steh mir bei,
zur Analyse kostenfrei!
Hat die Lady einen Knall
kindheitsbedingt durch engen Stall?
Liegt etwa Grund zur Frustration
in angeborner Depression?
Steht sie solo auf der Wiese
im Rahmen ihrer Midlife-Krise?
Ist sie nur nicht auf der Piste
aufgrund einer Beziehungskiste?
Gehört sie denn vielleicht zu jenen,
die mit sexuell verwirrten Genen
anstatt frisch drauf los zu weiden
unter einem Trauma leiden?
Angesichts der Ausgangslage
bliebe noch die Schlüsselfrage
warum sie keine Zicken habe
und kinderlos durchs Leben trabe?
Erst schien die Geis etwas verlegen
(... unter uns gesagt, des Reimes wegen)
dann unterbrach sie kurz das Kauen,
um diese Fragen zu verdauen.
"Endlich Schluss mit dem Theater!"
sprach drauf die Ziege zum Psychiater
und ihre Antwort war für ihn ein Schock:
"Ich hab einfach keinen Bock!" Nationaler Fußball-Dialog
"Kickst du weiter so,
geht´s in die Hose,
Klose!"
"Tut dir ein Null zu Fünf
als Torwart weh dann,
Lehmann?"
"Allerdings,
mein lieber Frings!" Der Dichter in eigener Sache
Nur allzu oft hat mir gestunken,
wenn ein Reim nicht ganz gelunken.
Darum schwör ich allen meinen Lesern,
dies in Zukunft zu verbesern. Signifikant
Seht einmal, da steht er:
voll Dynamik der Marketer.
Darf schon auf den Big Boss-Lokus
und hat Größeres im Fokus
Kein anderer kennt so kompetent
das adäquate Marktsegment
Keiner plant wie er so fix
den perfekten Media-Mix
Lässt sich auch durch all die Irren
vom Controlling nicht verwirren.
Nur Etat hat er nie einen
- ist das nicht zum Weinen? Nachdenklicher Strandläufer
Das Leben ist nicht fair.
Jeder sagt "wie Sand am Meer".
Keiner sagt "wie Meer am Sand".
Allerhand. Wünschlein
Sei auf der Hut
und nicht nur auf dem Hütchen!
Zum Leben braucht es Mut,
da reicht nicht nur ein Mütchen.
Drum gib dir ab und zu 'nen Ruck
statt einfach nur ein Rückchen.
Ich wünsch dir dazu alles Glück
und eine Extraportion Glückchen. Inkarnations-Antrag
Vorausgesetzt, du hast gefunden,
wofür so lang du dich geschunden,
und man dir, wie dies meist geschieht,
zum Dank dann eine überzieht –
in diesem Fall, was bleibt dir schon:
nur Hoffnung auf Inkarnation.
Appelliere an des Kosmos Güte,
dass dein Karma er behüte:
"Bin geplant ich, oh verrecke,
nächstes Mal als nackte Schnecke,
würd ich klaglos akzeptieren,
auf dem Bauch zu vegetieren.
Niemals würd es mich genieren,
zur Muschel mies zu inkarnieren.
Zur Brennnessel am Straßenrand
fühl ich mich auf Wunsch imstand,
selbst ein Leben unter Artischocken
meisterte ich unerschrocken.
Selbst als Kettenhund zu bellen,
fiele leicht, mir zu vorzustellen.
Doch Berater oder Trüffelschwein –
dieses Schicksal darf nur einmal sein!
Himmel, es ist höchste Zeit
für ausgleichende Gerechtigkeit:
statt zu Consultant oder Eber
mach einmal mich zum Auftraggeber!" Klare Absage
"Könnten wir uns mal in kleinem Kreise treffen,
nur mit Tanten, Onkeln und mit Neffen?
Lässt sich dies für dich mal richten?"
"Nein. Mit Nichten!" Abendgebet
Herr, lass mich voller Gottvertrauen
stets nur auf das Heute schauen
und vor dem nächsten Morgengrauen
mir frühstens übermorgen grauen! Waagemut
Blickst du erfahren auf des Lebens-Waage,
entspannt sich freundlich oft die Lage:
zeigt dir bei 100 Kilo Pech die Skala Rot,
bringt dies schon 1 Gramm Glück ins Lot. Meteorologisches Dilemma
Droht plötzlich ein Azoren-Tief,
liegt oft der Wetterkundler schief,
und aus Nordost ein jähes Hoch
verschlimmert seine Lage noch.
Er balanciert auf dünnem Seil
voll Zweifel, nicht zuletzt auch weil
er ahnt, dass manches Wolkenbild
führt Überraschendes im Schild.
Drum sieht man ihn nach Hagelschauern
meist depressiv im Dunkeln kauern.
Wetterkundliche Annalen
verdeutlichen den Grat, den schmalen,
der auf den Experten wartet,
falls mutig er Prognosen startet.
Hat er ein leichtes Beben in Taschkent
aufgrund von Überlastung mal verpennt,
und offenbart dazu des Golfstroms Tücke
in seiner Kompetenz die kleinste Lücke,
wird ihm dies heftig angekreidet,
worunter er dann doppelt leidet,
wenn überraschende Kaltwetterfront
nicht mal den Vatertag verschont.
Selbst der Kollege Kachelmann
legt dann auf ihn die Flinte an.
Weil auch die sicherste Prognose
geht allzu häufig in die Hose,
mutiert der Profi zur Mimose
befällt ihn die Adventsneurose.
Hinsichtlich der Wetterlage
führt dann nämlich die Gretchenfrage
„Wird das Weihnachtsfest ein weißes?“
für ihn zur Quadratur des Kreises.
Auch stürzen Fangfragen wie diese
ihn stets noch tiefer in die Krise:
„Soll ich Langlaufskier kaufen?
Sehn wir uns beim Schlittschuhlaufen?“
Selbst wenn die Schwalben tiefer flogen,
hat die Erwartung hier getrogen.
Er weiß, wie sehr er Prügel kriegt
falls er am Fest daneben liegt.
Gerade in der Nachbarschaft
enttäuschte Hoffnung Ärger schafft,
Drum sind so viele Meteorologen
schon überraschend häufig umgezogen,
immer mit der Angst im Nacken:
„Neujahr heißt es wieder Packen!“
Fragt man ihn „Wird diese Weihnacht eine weiße?“,
spricht der Experte drum begründet leise:
„Nur dass Sie´s wissen: Ich verreise!“ Promi-Dinner-Konsequenz
Kaum leuchtet auf der Schirm, der flache,
geht es sofort beherzt zur Sache.
Prominente sieht man kumuliert in Schürzen
Rhabarbermus mit Chili würzen.
Gott schütze dann die gelben Rüben,
an denen sie Verbrechen üben.
Nicht genug, dass Soße wabert,
schlimmer noch, was hier gelabert.
Bevor die Küchen-Promis dinnern,
verkrampft sich vieles mir im Innern.
So lässt erschauern mein Gemüt,
was hilflosem Gemüse blüht.
Biolek mit seinen Dödeln
vergreift sich wild an Böhmens Knödeln.
Vergeblich hofft man noch, dies sei
harmloses Leipzger Allerlei,
doch wenn Roberto Blanco trüffelt,
erblindet jäh der Gast, der schnüffelt.
Auf einen kommt es da nicht an,
der Kerner lässt die Nächsten ran.
Nach Gutsherrnart und provençal
darf jeder immer wieder mal,
und das erschreckte Auge sieht,
wie schnell Kartoffeln Leid geschieht.
Der Stargast mit entrückter Miene
schwafelt was von Haute Cuisine
und schleppt frisch gepflückte Kräuter an,
von denen man nur ahnen kann,
selbst ein Pygmäe wählt die Flucht,
bevor er solche jemals sucht.
O Herr, du guter Hirte aller Schafe,
verhäng zum Nachtisch die verdiente Strafe!
Intensiviere die Gerüche,
lass sie für ewig in der Küche
was sie gekocht, auch essen müssen!
Schlimmer kann der Mensch nicht büßen.
Man weiß, die Rache ist die des Herrn!
Dies tröstet, wenn ich sehe fern.
Doch stets, wenn der TV-Pürierstab glüht,
sei bitte gnadenlos darum bemüht!
Gib mir stattdessen
still zu essen,
Brot und Butter, wenn´s geht Salz.
Das wär alles. Gott erhalt´s! Ganz und gar misslungenes Gedicht
Keiner sollt es ihm verübeln,
kommt der Dichter jäh ins Grübeln,
fällt ihm philosophisch fragend ein:
„Kann denn ganz und gar nicht nicht auch ganz und gar nicht gar nicht sein?"
Doch da die Zeile viel zu lang,
wird´s ihm um das Versmaß bang.
Darum endet das Gedicht
mit „Ganz und gar nicht!“ denkbar schlicht. Autor am Scheideweg
„Weinen lassen?“
Lassen!
„Lachen machen?“
Machen!
Trost für Jubilare
Der Mann verliert im Lauf der Jahre
bedenklich stetig viele Haare,
und es kaschiert die Kammgarnhose
nur ganz bedingt die Hüftarthrose.
Auch ist nicht jedem stets beschieden,
dass Zipperlein die Glieder mieden.
Zudem trübt sein Glück, sein spätes,
nicht selten Alters-Diabetes.
Jetzt lobt man ihn für Kompetenz,
doch schöner war es einst im Lenz.
Zwar wird oft die Zeit besungen,
die zu erreichen jetzt gelungen,
doch ist ihm dieses einerlei,
und geht ihm am Gesäß vorbei,
was sie von Alters-Freuden schreiben,
kann keinen Haarausfall vertreiben!
Auch leiden deutlich allerorten
beim Senior die Geburtstagstorten
und dies, bei all dem Gratulieren,
geht ihm doch heftig an die Nieren.
Was sich so tut auf Kuchens Rücken
muss jeden Jubilar bedrücken:
Synchron zu seinen Rückenschmerzen
vermehrn sich dort rapid die Kerzen.
Falls sich die Zahl bedenklich rundet,
wird Zuneigung ihm laut bekundet
und stimmt die Erbschafts-Proportion,
mutiert Applaus zur Ovation.
Lobt gar sein Lebenswerk die Analyse
bleibt ihm warm Anziehen als einzige Devise –
doch während ringsum sie frohlocken,
friert es ihn selbst in wollnen Socken.
Die Festtagsrunde stimmt sich, Groß und Klein,
schon langsam aufs Finale ein.
Drum sieht man und kann dies gut verstehen,
den Jubilar still in sich gehen.
Erhoffend gütiges Geschick,
schweift häufig unstet dann sein Blick.
Er gäbe sich wohl erst zufrieden,
wenn drei Geburtstagswünsche ihm beschieden.
Wie schön wär eine Fee zur Seite,
der er den Vorschlag unterbreite:
„Ich teile mit dir fair den Kuchen,
doch hilf mir erst die Brille suchen,
denn wenn man scharf durch diese späht,
entdeckt man flugs sein Hörgerät.
Falls mir dann nicht Hörn und Sehn vergeht,
schaun wir mal, wie´s weitergeht.
Im Fall des Falls wär meine Bitte,
nach eins und zwei noch eine dritte!
Vielleicht ergibt sich ja zum Fest,
das sich da was machen lässt.“
Die Fee war blond und trug selbst Brille,
deutlich sichtbar guter Wille.
Tröstlich bleibt der Hoffnungsschimmer:
Ein bisschen was geht immer. Memento Paparazzi
Während in der Disko locker
nächtens kifft der greise Rocker
und umgarnt die Braut von heute,
– als Gruppenbild vielleicht ´ne Beute –
weht´s vor der Tür vom Hindukusch,
den Paparazzo fröstelt es im Busch.
Seit vier Stunden er erwägt,
ob Britney Spears heut Höschen trägt,
denn, urologisch mitgefühlt,
zahlt sich nur aus, falls sie verkühlt.
Mit Busenfotos ganz allein
ist man doch heut ein armes Schwein!
Ob digital, ob analog,
häufig schon die Hoffnung trog,
weil im Blickfeld zu beklagen
dumm geparkte Lieferwagen.
Dazu stört manchmal den finalen Schuss
spontan klemmender Verschluss.
Auch sind längst die Honorare
durch Billig-Konkurrenz nicht mehr das Wahre.
Daran schuld ist der Kollege
Vis-à-vis im Buchsgehege
und auch der andere auf der Föhre,
der korrumpiert die Redakteure.
Der Paparazzo ist zu Recht vergrätzt:
hier wird Leistung unterschätzt.
Denn wer vor Diskos auch nur eine Nacht
mühsam mit Laub getarnt verbracht,
wird, kann er den Bodyguards entgehen,
den Beruf mit völlig anderen Augen sehen
Nichts war ihm in dem Job einst fremd:
Gunther Sachs im Unterhemd,
Brigitte Bardot beim Wellenreiten,
mon dieu, mein Gott, das waren Zeiten!
Vor Saint Tropez zur Yacht rausschwimmen,
schon wusst man, dass die Zahlen stimmen ...
Die Storys mit dem Kinski Klaus
bescherten ihm sein Fertighaus,
und keiner hat so scharf getroffen,
die Beatles, wenn sie mal besoffen.
Doch leider alles Ruhm von gestern –
selbst Fotos von den Kessler-Schwestern!
Des Paparazzos Auge tränt,
wenn man sein Lebenswerk erwähnt.
Wer die Loren von nah gesehen,
kann seine Wehmut gut verstehen.
Die Gegenwart sieht anders aus:
Rapper sind kein Augenschmaus.
Der Herr den Paparazzo schuf –
einst anerkannt als Lehrberuf.
Als solcher tut er seine Pflicht,
trefft ihr ihn, dann vergesst das nicht.
Spendiert ihm lieber doch ein Bier:
Er gibt sein Bestes statt Hartz vier.
(Selbstkritisches Postskriptum des Autors:
MEMENTO PAPARAZZI – denn im Leben geht viel schief ...
... dies zeigt hier auch der Genitiv!) Bitte um Nachsicht
Auf einer Glatze Locken drehen,
kann man im Auftrag ihn oft sehen.
Verzweifelt dann mit Worten hext er –
verzeiht es ihm, dem Werbetexter! Gemischte Erkenntnisse
Spielen macht den Menschen froh –
nicht erst seit Super-Mario!
- -
Besser fühlt sich jeder Strahl
im gepflegten Urinal.
- -
Grund genug ist für Neurose,
wachst du auf aus der Narkose. Curriculum alphabeticum
AUGENSCHEINLICH
BEGEHREN
CREATIVE,
DURCH
ENORME
FRUCHTBARKEIT
GEFÖRDERT,
HEISSBLÜTIG
IDEALERWEISE
JUNGE
KOOPERATIONSBEREITE
LOSE
MÄDCHEN.
„NIEMALS
OHNE
PARDON?“
„QUATSCH!“
„REDUZIERT
SENILITÄT
TATENDRANG?“
„UNGEHEUER!“
„VIAGRA
WIRKT N.
X?“
„YES:
ZAPPENDUSTER!!“ Motivforschung
Falls manchmal ich nicht wüsste,
dass ich müsste,
könnt durchaus sein, dass ich auch wollte,
was ich sollte.
In solchem Falle tief zu schürfen,
was wir am besten wollen sollen dürfen,
hat so manchen schon bewogen,
zum Besuch des Psychologen.
Dieser bleibt meist seltsam still,
bezüglich was man handfest können soll und will,
doch nach langem Schwafeln ist eins klar:
er will konkret dein Honorar.
Du kannst auf Eingebung nur hoffen,
denn viele Fragen bleiben offen:
Ob Vögel, die nach Süden flögen,
dies jedes Jahr auch wollen mögen?
Ob die Stones tatsächlich wollen,
dass sie mit Achtzig rock-and-rollen sollen?
Wenn Präsidenten sich herzinnig küssen,
ob sie das wirklich mögen wollen müssen?
Wer solches immer wüsst, gehört geehrt,
verdienter Anerkennung wert.
Ich wär einer, der ihm Kränze flöchte,
vorausgesetzt, dass er dies wollen sollen möchte.
Erhärtet durch den Alltags-Test,
halt ich bis dahin erst mal fest:
Sucht der Mensch nach dem Motiv,
liegt er damit häufig schief. Verkehrs-Erkenntnis
Es fährt der Mensch, dank Kreisverkehr
geradeaus viel weniger.
Dies ist soweit in Ordnung schon,
doch spricht es linearem Denken Hohn.
Denn wenn dich Kurven stets umzingeln,
missfällt sehr schnell das Dauerkringeln.
Drum, wer im Kreisverkehr verkehrt,
häufig anderes begehrt.
Ich zum Beispiel fahr nach Haus
einfach gern geradeaus,
doch dafür, streng genommen, steht zur Wahl
nur noch der IC Darmstadt-Wuppertal. Alphabetic Blues
Egal, wie dich das Schicksal buchstabiert,
du lebst von A bis Z nie ungeniert:
Durch Zufall auf Platz eins gehoben,
sollt man das Alphabet nicht vor dem Abend loben.
Dem A es in der Seele friert,
weil Leadership ihn isoliert.
Wenn auf dem Gipfel kühl die Winde wehen,
genießt er es ins Tal zu sehen.
Sein Urteil über B ist schlicht:
„Zur A-Klasse, da reicht´s dem nicht!“
Dem tut es in der Seele weh,
dass er nicht A ist, sondern B.
Depression ist sein Begleiter,
er hat´s nicht leicht als ew’ger Zweiter
und nichts versetzt ihn so in Rage
wie A in der Big-Boss-Etage.
Auch wenn sein Blick nach unten schweift,
er oft die Welt nicht mehr begreift.
Die Kompetenz von C bis K,
die legt Verzweiflung ihm oft nah
und dies Gefühl, es weicht nicht schnell,
bei einem Rundblick nach dem L.
Unterm Strich es so ergeht
allen gleich im Alphabet.
Selbst ist man zwar hochinteger,
doch drunter hat man seine Neger
und schweift der Blick voll Neid nach oben –
in jedem Fall wird Frust geschoben ...
Sprechen K und L von Jott,
so folgern sie „Ach Gott, ach Gott!“
Von V und W hört man indessen,
„... das Ypsilon kannst du vergessen!“
Drum denkt man, wär es fair und nett,
dass wenigstens das arme Z,
in Frieden unbeneidet leben kann,
denn keiner meckert hintendran.
Doch liegt das schnelle Urteil schief,
denn dieses ist nur relativ:
Das Z wär glücklich jede Stunde,
doch leider beißen es die Hunde.
All dies lehrt, sich zu bescheiden,
hastigen Vergleich zu meiden:
Für jeden gilt von A bis Z,
dass er es gerne anders hätt! Poetische Konsequenz
Hochzeit, Taufe, Wiegenfest
hasst der Dichter wie die Pest.
Unter Freunden wird er nicht verhehlen,
wie sehr ihm dafür Worte fehlen,
weil was gewöhnlich hier gedudelt,
schon jedes Poesiealbum besudelt.
In Härte-Fällen allemal
greift der Experte ins Regal,
wo es, oft leicht angeschimmelt,
von einschlägigen Poeten wimmelt,
die fürchten, gratis adoptiert zu werden
(... nicht alles reimt sich fair auf Erden!).
Des Dichters erster Griff gilt Goethe,
doch überwiegen hier die Nöte.
Auch wenn er gerne klauen täte,
so fürchtet er doch Studienräte.
Schon mal hat er sich mit "Faust" blamiert,
als er nicht ganz exakt zitiert.
Er schaut nach Asiens Lyrik hastig,
doch ist ihm die zu lotoslastig,
und auch nicht jeden Ehrentag
er auf Harakiri reimen mag.
Als letzte Hoffnung bleibt der Norden,
wo manchmal fündig er geworden.
Bezüglich der Weisheit alter Iren
braucht man kein Wort ja zu verlieren:
Es kann kaum Schönres dir begegnen,
als wenn dich ihre Wünsche segnen.
Der Dichter nutzt die Tradition,
mixt Alltagfrust mit Religion
und kann damit beim Gratulieren
fast irisch-lyrisch formulieren:
„Herr, schick die Sonne auf die Reise,
doch senk zuvor die Treibstoff-Preise!“
Auch kommt ihm dieser Stil entgegen,
wünscht er Computer-Usern Segen:
„Herr, schütz den Jubilar am Laptop vor Gewittern
und lass in Zukunft seinen Cursor nicht mehr zittern!“
Falls irisch-lyrisch er kein Land entdeckt,
hält sich der Dichter stets bedeckt.
Er lässt den Dingen ihren Lauf
und dafür nimmt er gern in Kauf,
dass man ihn als einen kennt,
der jeden Festtag garantiert verpennt
und fürchtet er, es setzt sonst Hiebe,
reduziert er sich auf „Alles Liebe!“.
Ansonsten überlässt er´s Amateuren,
jedweden Festtag wortreich zu beschwören.
Er weiß, wenn denen Gratis-Essen lacht,
da wird gereimt, bis die Schwarte kracht.
Der Dichter aber frei von Klagen
genießt die Ruhe an Festtagen.
Die Welt verpasst so manch Gedicht –
indes sein Image leidet nicht. Sprechstunde
„Herr Doktor, führen Wandernieren
zu häufigem Herumspazieren?“
„Machte nur mein Kreislauf Plumps
oder ist es diesmal sogar Mumps?“
„Lindert wohldosierte Wärme
das Gelärme der Gedärme?“
„Kann man durch unbedachtes Urinieren
Gallenstein im Wald verlieren?“
„Dreimal täglich warmes Pils –
hilft´s der Milz?“
„Soll man Harndrang ganz negieren
und damit Überraschendes riskieren?“
„Verhindern Träger an der Hose
ganz selten eine Gürtelrose?
Ist drum die Lage hoffnungslose?“ Seneca, hilf!
Eh sich dir Worte auf die Lippe wagen,
die schwankend auf der Wahrheit Wippe lagen,
vergiss nie, im Herzen zu bedanken und gedenken,
falls Philosophen mit Gedanken dich bedenken. Basis-Knigge
Nach manchem, was des Nachts getrieben,
wär´s besser beim per Sie geblieben –
nicht immer es dem Menschen nutzt,
wenn er sich morgens weiter duzt. Wissenstest
„Was fällt bei Natriumorthophenylphenol dir ein?"
„Das kann ein Lebensmittel-Zusatzstoff nur sein:
Schmeckt, wie er heißt, und setzt dir zu –
daran erkennt man so einen im Nu!" Weiterdenken beim Brotaufstrich
Dank guter Butter, monatlich ein Pfund,
stirbst du eines Tages kerngesund.
Es ändern kaum sich die Termine,
wählt man als Aufstrich Margarine,
doch spendet es der Seele Ruh,
schont Pflanzenfett die deutsche Kuh. Sex in the forest
Stark reduziert sich die Vernunft,
nähert sich der Hirsch der Brunft.
Ergeht´s dem Eber so genau,
macht ihn seine Frau zur Sau. Tiefen-Psychologie,
(oberflächlich analysiert)
Macht die Psyche ständig „Autsch!“,
wählt man statt Pille manchmal Couch.
Aus Tradition dort überwiegend
unbequem auf Rücken liegend,
recycelt man den Seelenschrott
meistens zäh, nur selten flott.
Du mühst dich ab, nur durch Beschreiben,
dunkle Geister zu vertreiben –
der Psychiater sitzt es aus,
tags drauf geht die Rechnung raus.
(Erfahrung führt zu der Prognose:
Erhalt verstärkt oft die Neurose). Tod des Hypochonders
Er lebte streng nach ärztlichen Diäten
und 15 Röntgenbilder schmückten die Tapeten.
Fragte harmlos einer: „Na, wie geht es?",
verwies er detailliert auf Diabetes.
Stets war zu langem Siechtum er bereit,
doch macht sich jäh Enttäuschung breit.
Was ihm den Plan spontan verdirbt,
ist, dass er an Gesundheit stirbt.
Dies Ende hat ihn schwer getroffen,
er konnte auf was Besseres hoffen.
Der Tod war schmerzlos, Gott sei Dank,
tags drauf fühlt er zum Glück sich krank. Kalender-Notiz
Der Mai ist rum:
Sei’s drum!
Komplizierter wird Dezember:
Christmas coming, please remember!
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